Mädchenarbeit

Mädchenarbeit muss auf verschiedenen Ebenen erfolgen, d. h. dass die unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen und Jungen im gesamten Stadtgebiet von Baunatal berücksichtigt werden müssen. Das bedeutet auch eine gezieltere Herangehensweise bezüglich der dezentralen Jugendarbeit.  Daraus resultiert, dass flexible Vorgehensweisen sowie schnelles Handeln durch die Sozialpädagoginnen erfolgen, um die Schwerpunkte einer themenorientierten Mädchenarbeit leisten zu können. Voraussetzung dafür ist eine feste Verankerung innerhalb des Konzeptes.

Nach der Reflexion des Konzeptes einer Mädchenarbeit mit festen Gruppen führten die Überlegungen zu neuen methodischen Ansätzen, deren Inhalt u. a. einzelne Aktionen und Wochenendworkshops für Mädchen beinhalten. In den letzten Jahren fanden bereits mehrere themenorientierte Mädchenseminare (Foto-, Drogen-, Tanzworkshops, sowie Reiterwochenenden) statt, welche viel Zuspruch haben. Auch die Arbeitskreise des Kinder- und Jugendzentrums “Second Home“, die speziell für Mädchen konzipiert sind, wie Jazzdance, Selbstverteidigung und Bauchtanz können nach Bedarf wieder angeboten werden. Bei Bedarf und nach Anregung durch die o.g. Aktionen können sich aus diesen themenorientierten Angeboten jederzeit wieder feste Mädchengruppen bilden.

Mädchenprojekte

Wie in der Vergangenheit auch, sind zukünftig weitere Großprojekte in Kooperation mit verschiedenen Institutionen der Jugendarbeit fester Bestandteil der Mädchenarbeit des Kinder- und Jugendzentrums „Second Home“. Unter anderem handelt es sich um folgende Veranstaltungen:

•    Mädchenfeste
•    Lange Filmnacht mit Übernachtung für Mädchen
•    Wellness-Wochenenden

Weibliche Aussiedlerinnen

Die Rolle der Frau ist in den Herkunftsländern junger Aussiedlerinnen häufig anders definiert als in Deutschland, insofern fehlen den Mädchen Rollenverständnis ihrer neuen Heimat und familiäre Vorbilder, die eine Integration erleichtern könnten. Die Mädchen befinden sich in einem beginnenden Prozess der innerlichen Ablösung vom Elternhaus, dass i.d.R. von eher traditionellen Wertvorstellung bzw. einem konservativen Frauenbild und der damit verbundenen geschlechtsspezifischen Rollenerwartung geprägt ist, wie z. B. der Betreuung der jüngeren Geschwister, Übernahme von Aufgaben im Haushalt, Versorgung, bis hin zur Bedienung der männlichen Familienmitglieder etc. In ihrer Umwelt erleben die Mädchen jedoch ein liberales Frauenbild, welches zu einem permanenten Widerspruch und zu Konflikten zwischen ihrer Familie und ihrem übrigen Lebensumfeld, wie Schule und Freundeskreis, führt.

Viele Eltern haben selbst ein eher diffuses Bild von dem was sie in Deutschland erwartet. Ihre Wünsche und Vorstellungen werden häufig nicht erfüllt. Hinzu kommt, dass viele Jugendliche sich mit ihrer alten Heimat stärker identifiziert haben als ihre Eltern oder Großeltern und sie nicht immer freiwillig mit ihren Eltern ausgesiedelt sind. Folgen davon sind wenig Interesse die deutsche Sprache zu erlernen und sich außerhalb ihrer Familie und deren engem Umfeld Freunde zu suchen. Dies wiederum zieht nach sich, dass die demokratische Lebensführung der Bundesrepublik nicht erlebt bzw. erlernt werden kann. Durch den Konflikt, einerseits an bestehenden Traditionen festzuhalten und andererseits sich die neuen Formen von Gestaltungsmöglichkeiten anzueignen, können innerfamiliäre Spannungen auftreten, die den bislang vertrauten Rückhalt zu zerstören drohen und keinen wirklichen Fortschritt im Sinne von Integration bedeuten.

Besonders für Mädchen, die in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen werden, gilt es, neue Methoden zu entwickeln, um ihnen Wege aufzuzeigen, die es ermöglichen sich hier besser zurechtzufinden und einen eigenverantwortlichen Lebensentwurf zu gestalten. Ziel der Interventionen muss auch sein, die Mädchen in ihrer kulturellen Identität wahrzunehmen und zwischen Herkunfts- und Aufnahmeland eine Brücke zu schlagen.

Mädchen mit ausländischer Staatsangehörigkeit

Ein weiterer Aspekt innerhalb der Mädchenarbeit ist die besondere Lebenslage von Mädchen ausländischer Herkunft. Zu den oben schon erwähnten Aufgaben der Mädchenarbeit kommen spezifische kulturelle Probleme hinzu. Diese Mädchen haben oft Schwierigkeiten bei der Identitätsbildung, stehen zwischen der „Heimatkultur“, der „Fremdkultur“ und verschiedenen Formen ihrer Vermischung. Zudem werden sie mit Vorurteilsstrukturen beider Gesellschaften konfrontiert. Mädchen ausländischer Nationalität sind trotz ihrer Geburt in Deutschland von der Rechtslage für ausländische Mitbürgerinnen betroffen. Die Familien der Mädchen befinden sich häufig in einer schwierigen sozio-ökonomischen Situation (Wohn- und Familiensituation, Schule, Ausbildung und Beruf).

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